Ein erster Bericht

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Ein erster Bericht:
Burschenschafts-Kommers Innsbruck

Heute Samstag treffen sich voraussichtlich tausende schlagende Verbindungsstudenten aus Schland und Österreich in Innbruck (Österreich/Tirol). Die meisten von ihnen dürften der Deutschen Burschenschaft, dem rechtsextremen Flügel des Korporationswesens, angehören, die federführend zu diesem Kommers eingeladen hat.
Gegenaktionen gab’s gestern schon, unter anderem wurde die Zufahrtsstraße zur Patscherkofel-Bahn, von wo aus die Burschen und Alten Herren zu einem „Bergfeuer“ auffahren wollten, mit Baumstämmen und Steinen blockiert. Heute geht es mit einer Demo gegen „Lieber Frauenbanden als Männerbünde“ und Straßenfest/dezentralen Aktionen weiter.
Wenn sich Männer in Jahrhunderte alter, exklusiver Tradition an Hochschulen verbünden, dann ist das für sich genommen schon widerlich genug. Wenn sie dazu noch ritualisiert fechten, um Werhhaftigkeit und Mannbarkeit unter Beweis zu stellen, denn ist das ekelhaft. Wer dazu – wie die Deutsche Burschenschaft – aber noch erklärt, das Deutsche Reich sei 1945 nicht untergegangen, habe derzeit nur leider keine staatlichen Organe, einen deutschen „Volkstumskampf“ von Südtirol bis Kaliningrad proklamiert und Österreich gedanklich schon längst angeschlossen, da kann mensch eigentlich nur noch kotzen!
Dieses Wochenende treffen sich derartige Alte Herren, Burschen und wohl auch ein Paar Füxe in Innsbruck zum Festkommers. Anlass ist der Aufstand Tiroler Bauern gegen die bairisch-französiche Verwaltung vor 200 Jahren, der am Berg Isel seinen Ausgang genommen haben soll. Dort wollen sich die Korporierten heute auch zu einer Gedenkveranstaltung zusammenrotten, bevor zum straff organisierten Zwangsbesäufnis mit schrägen Liedgut („Festkommers“) in die Messehalle geht.

Freitag
Gestern schon sollte eine Bergfeuer zu Ehren Andreas Hofers – das ist der Anführer der Aufstände gewesen und so zusagen der Tiroler National-Seppl – entzündet werden. Aber da haben Aktivist_innen gestern bereits das erste Mal interveniert: Die Hauptzufahrtsstraße zur Bergbahn auf den Patscherkofel konnte durch eine Materialblockade erfolgreich für einige Zeit abgeriegelt werden. Ein burschenschaftlicher Shuttle-Bus wurde beim Umdrehen gesehen. Ob es dennoch zur Feuerfeier kam und ob die nationalbewussten Burschen wieder Bücher dabei verbrannten, wie sie es seit 1917 gewohnt sind, ist leider unbekannt.
Am Abend wurde eine Publikation der ÖH Wien vorgestellt, die sich spezifisch mit dem Korporationswesen in Österreich auseinandersetzt. Sie liefert theoretische Überlegungen zu der seit einigen Jahren erstarkenden politischen Bewegung gegen burschenschaftliche Großveranstaltungen. Die vorgetragenen Textauszüge lassen erahnen, dass es sich um ein echtes Wiener Schmankerl handelt!

Samstag
Für heute ist ein Straßenfest am Fuße des Berg Isel angekündigt. Hauptintention dabei ist es, mit angenehmen Beats auch die Elite-Männer am Hügel oben zu erfreuen. Leider ist der rechtliche Status zur Stunde unbekannt, die Organisator_innen behalten sich vor, wegen extrem repressiver Auflagen lieber ein dezentrales Aktionskonzept vorzuschlagen. Deshalb: ruft auf den Fall das Infotelefon (siehe unten) an oder besser: Kommt ins Hutterheim bevor ihr Euch auf den Weg macht!
Später, um 17 Uhr, wird unter dem Motto „Lieber Frauenbanden als Männerbünde“ demonstriert. Dafür sind 1300 Bullen aus ganz Österreich samt dem Nationalstolz der Alpenrepublik, einem von zwei Wasserwerfern, angereist. Wir hoffen, dass diese gewaltbereiten Chaoten sich dennoch zurückhalten.
Am Ende wird die Demo in der Schlusskundgebung des „mitte-links“ Bündnisses bei den Kongresshallen aufgehen. An deren anderem Ende werden die Schmiss-Germanen sich „anständig betrinken“. Wie viele Mützen und Bänder dennoch ihren Weg in den Inn und die Mülltonnen Innsbrucks finden werden, wird sich herausstellen.

Sonntag
Für den Sonntag haben die Burschen einen Frühschoppen angekündigt. Geplant sind derzeit noch keine Aktionen, aber die Pennplatzstruktur steht freilich auch noch bis morgen…

Die Medienberichterstattung versucht indes seit Wochen die antifaschistischen Proteste als per se gewalttätig zu charakterisieren. Repressionen hatten schon im Vorfeld dafür gesorgt, dass das Kollektiv Grauzone aus dem Kulturzentrum p.m.k. geworfen wurde. Die rechtsextremen Burschenschaften werden hingegen als „national-liberal“ beschrieben – obwohl der liberale Flügel der Burschenschaft in der Diskussion der „Judenfrage“ auf den Burschentagen 1893 und 1896 untergegangen ist und seit über 100 Jahren Freiheit keine Rolle mehr spielt bei den Burschen. Das ORF versteigt sich bei sonst passabler Berichterstattung zu Folgendem:

„Besonders schützen wird die Polizei am Samstag auch die Verbindungshäuser katholischer Studentenverbindungen. Deren Mitglieder sind rein äußerlich kaum von echten Burschenschaftern zu unterscheiden, inhaltlich allerdings gibt es gravierende Unterschiede. Sie befürchten im Zuge der Gegendemo möglichen Vandalismus gegen ihre Verbindungshäuser.“

Die inhaltlichen Unterschiede zwischen Burschenschaft und ÖCV stellen sich historisch als „Nationalsozialistisch“ vs. „Austro-Faschistisch“ dar. Männerbünde sind sie beide. Ergo: Es gibt mehr, das sie eint als sie trennt.

Wichtige Nummern fürs Wochenende:
Infonummer: 0043 / 681 / 10 20 52 47
Rechtshilfenummer: 0043 / 681 / 10406597

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